Was für ein Wochenende, was für eine Willensleistung! Bei brutalen Temperaturen von fast 40 Grad im Schatten und einer Wassertemperatur, die mit 28,2 Grad eher an eine Badewanne als an ein Wettkampfbecken erinnerte, wurden die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen am Guggenberger See zur absoluten Hitzeschlacht. Doch unsere Eintracht-Athleten Emily Haas und Tim Oberbeck bewiesen echten Hildesheimer Kampfgeist – unterstützt von einem Trainerteam, das vor Kreativität sprühte.
Schon vor dem Start des 5-Kilometer-Rennens am Sonntag war klar: Das wird kein normales Rennen. Wegen der extremen Bedingungen warf der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) kurzfristig die Regeln um. Um die Aktiven vor dem Kollaps zu schützen, wurde eine Verpflegung auf der Strecke erlaubt – etwas, das es sonst eigentlich erst ab den ganz langen Distanzen gibt.
Die Geburtsstunde des Eintracht-„Feeding-Sticks“
Für unsere Trainerinnen Jacqueline Zenner und Susanne Boßerhoff hieß das: Blitzschnell umschalten! Am Samstagabend ging es statt zur mentalen Vorbereitung erst einmal in den Regensburger Baumarkt. Die Mission: Ein Apfelpflücker! Mit etwas handwerklichem Geschick wurde das Gartengerät in Rekordzeit zum hochoffiziellen Verpflegungsstab umgebaut. Ein absoluter Geniestreich, der sich am Sonntag auszahlen sollte.
Gegen die Hitze, gegen den Schmerz: Zwei sensationelle Bestzeiten
Am Sonntag gilt es dann ernst für unsere beiden Youngster. Über 250 Jugendliche und Junioren stürzen sich in den kochenden See. Reihe um Reihe ziehen sie ihre Bahnen, während Jacqueline und Susanne am Steg alles geben, um Emily und Tim über den improvisierten Apfelpflücker mit lebenswichtigen Elektrolyten und Flüssigkeit zu versorgen.
Und wie sie fighteten! Beide Hildesheimer wuchsen über sich hinaus, trotzten den Wellen und der brennenden Sonne und belohnten sich für die harten Trainingswochen der letzten Monate:
- Tim Oberbeck (Jg. 2009) flog förmlich durch das Wasser. In einer bärenstarken Zeit von 01:05:38,22 Stunden sicherte er sich in der Offenen Wertung den 67. Platz. Der absolute Hammer: In der rein nationalen Jahrgangswertung schwamm er damit auf den 15. Platz in ganz Deutschland (Platz 45 in der World-Aquatics-Wertung)!
- Emily Haas (Jg. 2006) zeigte puren Willen und biss sich durch das dichte Feld der Frauen. Nach unglaublich harten 01:18:04,33 Stunden schlug sie unter dem Jubel des Teams an und sicherte sich einen großartigen 94. Platz in der internationalen Offenen Wertung sowie Platz 4 in ihrem Jahrgang.
Beide pulverisierten ihre bisherigen Bestzeiten und machten deutlich, dass mit Eintracht Hildesheim auch im Freiwasser zu rechnen ist!
Ein unvergessliches Teamevent
Völlig erschöpft, aber überglücklich fielen sich nach dem Zielanschlag alle in die Arme. Diese Fahrt nach Regensburg war viel mehr als nur ein Wettkampf – es war ein echtes Abenteuer, das unser Team noch enger zusammengeschweißt hat.
Ein riesiges Dankeschön geht an Jacqueline und Susanne für den unermüdlichen Support (und den Baumarkt-Einsatz!) am Becken- bzw. Seerand. Emily und Tim: Wir sind unglaublich stolz auf euch! Ihr habt gezeigt, was mit Herz und Teamgeist möglich ist.
Tobias Falk

Foto: Susanne Bosserhoff

Foto: Susanne Bosserhoff



